Wichtig: mit Wirkung zum 03.04.2020 ist die Rahmenrichtlinie zur Förderung unternehmerischen Know-hows für Unternehmen, die aufgrund der Corona-Krise in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten sind, modifiziert worden!

Ein Auszug aus den Richtlinien;

• Die betroffenen Unternehmen erhalten einen Zuschuss für eine Beratungsleistung in Höhe von 100 %, maximal jedoch 4.000 Euro, der   in Rechnung gestellten Beratungskosten (Vollfinanzierung).
• Es können von betroffenen Unternehmen bis zur Ausschöpfung der maximalen Zuschusshöhe mehrere Beratungen im Rahmen des         neuen Kontingentes beantragt werden.
• Der Zuschuss wird vom BAFA als Bewilligungsbehörde direkt auf das Konto des Beratungsunternehmens ausgezahlt.
• Die Antragsberechtigten Unternehmen werden daher von einer Vorfinanzierung der Beratungskosten entlastet.
• Betroffene Unternehmen müssen kein Informationsgespräch mit einem regionalen Ansprechpartner vor Antragstellung führen.
• Anträge auf Förderung einer Beratung nach diesen Bestimmungen können zunächst bis einschließlich 31. Dezember 2020 gestellt              werden.

Für viele Unternehmer bedeutet es aktuell eine Herausforderung, als betroffene KMU (Klein und Mittelstandsunternehmen) alleine mit der aktuellen Situation zurecht zu kommen. Erschwerend kommt noch hinzu das die Steuerberater auch überlastet sein dürften. Somit spielt man oft mit dem Gedanken, einen weiteren Berater an Bord haben zu wollen, zumal sich der betroffene Unternehmer weiter um sein Geschäft kümmern muss. Allerdings arbeiten externe Berater auch nicht kostenlos. Daher ist das Angebot der Bafa eine enorme Hilfe und bietet die Chance auf professionelle Unterstützung!

Die ausführliche Information bzw. neue Inhalte und Ergänzungen für betroffene Unternehmen ist unter folgendem Link der Bafa zu lesen; https://www.bafa.de/SharedDocs/Downloads/DE/Wirtschafts_Mittelstandsfoerderung/unb_merkblatt_corona.pdf?__blob=publicationFile&v=2

Allerdings gilt es aufzupassen; was heißt denn –Unternehmen in Schwierigkeiten-?

Die meisten EU-Beihilferegelungen schließen eine Förderung von Unternehmen in Schwierigkeiten aus. Dabei ist die Definition eines Unternehmens in Schwierigkeiten davon abhängig, nach welcher beihilferechtlichen Grundlage das jeweilige Produkt bzw. die Beihilfe gewährt wird. Im EU-Beihilfenrecht bestehen im Wesentlichen folgende Definitionen eines Unternehmens in Schwierigkeiten;

Im Anwendungsbereich der AGVO ist ein Unternehmen in Schwierigkeiten ein Unternehmen, auf das mindestens einer der folgenden Umstände zutrifft(Artikel2 Ziffer 18 AGVO):

Gemäß den Leitlinien für Beihilfen an Unternehmen in Schwierigkeiten gilt ein Unternehmen dann als Unternehmen in Schwierigkeiten, wenn es auf kurze oder mittlere Sicht so gut wie sicher zur Einstellung seiner Geschäftstätigkeiten gezwungen sein wird, falls der Staat nicht eingreift.

Im Sinne dieser Leitlinien befindet sich ein Unternehmen dann in Schwierigkeiten, wenn mindestens eine der folgenden Voraussetzungen erfüllt ist:
• Im Falle von Gesellschaften mit beschränkter Haftung (ausgenommen KMU, die noch keine drei Jahre bestehen): Mehr als die Hälfte      des gezeichneten Stammkapitals ist infolge aufgelaufener Verluste verlorengegangen. Dies ist der Fall, wenn sich nach Abzug der                aufgelaufenen Verluste von den Rücklagen (und allen sonstigen Elementen, die im Allgemeinen den Eigenmitteln des Unternehmens        zugerechnet werden), ein negativer kumulativer Betrag ergibt, der mehr als der Hälfte des gezeichneten Stammkapitals entspricht.
• Im Falle von Gesellschaften, bei denen zumindest einige Gesellschafter unbeschränkt für die Schulden der Gesellschaft haften                     (ausgenommen KMU, die noch keine drei Jahre bestehen): Mehr als die Hälfte der in den Geschäftsbüchern ausgewiesenen Eigenmittel    ist infolge aufgelaufener Verluste verlorengegangen.
• Das Unternehmen ist Gegenstand eines Insolvenzverfahrens oder erfüllt die im innerstaatlichen Recht vorgesehenen Voraussetzungen      für die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens auf Antrag seiner Gläubiger.

• Bei einem Unternehmen, das kein KMU ist, lag in den vergangenen beiden Jahren
• der buchwertbasierte Verschuldungsgrad über 7,5 und
• das Verhältnis des EBITDA zu den Zinsaufwendungen unter 1,0

Es ist also vorstellbar, dass erst der Jahresabschluss 2020, in 2021, das wahre Ausmaß der Corona – Krise offenbart.

Der Autor steht im regen Austausch mit der Bafa um festzustellen, wie der Begriff

-Unternehmen in Schwierigkeiten-

und die mögliche Unterstützung der Berater, aber auch die Bezuschussung der Honorare, einzuordnen ist! Die o.e. Aufzählung der Unternehmen in Schwierigkeiten entspricht u.a der Definition der KfW.

Eine temporäre Änderung der Insolvenzordnung!

Die Pflicht, bei Insolvenzreife (Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung) einen Insolvenzantrag zu stellen (§15a InsO) wird bis zum 30.09.2020 ausgesetzt!

Aber Achtung!  Diese Aussetzung ist an zwei Voraussetzungen geknüpft;

• Die Insolvenzreife muss auf den Folgen der Ausbreitung des SARS-CoV-2-Virus beruhen und
• Es müssen Aussichten darauf bestehen, eine bestehende Zahlungsunfähigkeit zu beseitigen!

Beide Voraussetzungen können im Einzelfall schwer nachweisbar sein. Daher enthält das Gesetz, anders noch als im ersten Entwurf, nun eine Vermutungsregel zu Lasten derjenigen, der sich auf die Antragspflicht beruft:

War das Unternehmen am 31.12.2019 nicht zahlungsunfähig, wird vermutet, dass beide(!) Voraussetzungen vorliegen. Der Gesetzgeber betont dabei den Zweck, den Antragspflichten vom Nachweis und Prognoseschwierigkeiten effektiv zu entlasten. Die Widerlegung dieser Vermutung, an die höchste Anforderungen zu stellen seien, soll daher nur in solchen Fällen in Betracht kommen, bei denen kein Zweifel daran bestehen kann, dass die Corona-Pandemie nicht ursächlich für die Insolvenzreife war.

Um diesen Aufsatz nicht zu überfrachten werden weitere Ausführungen zu beachten sein. Auf diese kann aber im einzelnen nicht eingegangen werden! Hierfür rät der Autor zu einem Beratungsgespräch!

Einschätzung
Es sei vor den erwähnten Zusagen der Bundesregierung gewarnt. Dieser erwähnten ´Schutz´ gilt nur bis zum 30.09.2020!
Das Sprichwort gilt, abgerechnet wird zum Schluss. Die Auswirkungen der Krise findet sich in der Bilanz 2020 in 2021, oder 2020 wieder!
Wenn dann Kapital auf der falschen Seite steht, und der Satz in der Bilanz zu finden ist: … nicht durch Eigenkapital gedeckter Fehlbetrag…;
dann wird es ernst. Immerhin ist dann der § 19 InsO zur Kenntnis zu nehmen! Der Überschuldungstatbestand steht im Raume.
Auf den Tatbestand der möglichen Überschuldung oder des möglichen, zukünftigen Zahlungsausfalls oder der Zahlungsstockung gilt es sich vorzubereiten.

Es gilt, das nach § 252 Abs. 1 Nr. 2 HGB die Geschäftsführung einzuschätzen hat, ob bei der Bewertung der Sachlage weiterhin von der Fortführung der Unternehmenstätigkeit ausgegangen werden kann….!

Die meisten Unternehmer wenden sich dann an deren Steuerberater. Hilfe können diese aber aus der steuerberatenden Seite nur schwerlich erwarten. Der Autor verweist hierbei auf das Urteil des BGH vom 26.01.2017 – IX ZR 285/14, Beck RS 2017, 101939 hin!
Auch die Bundessteuerberaterkammer hat mit Schriftsatz vom 14.03.2018 zu diesem Urteil Stellung genommen und u.a. eine Empfehlung für die Steuerberater ausgesprochen.

Darin heißt es z.B.:
…ohne gesonderten Auftrag ist es nicht Aufgabe des Steuerberaters, im Rahmen der Jahresabschlussfeststellung eine rechtliche Würdigung vorzunehmen, ob eine Insolvenzantragspflicht für die gesetzlichen Vertreter besteht. Der Steuerberater sollte sich den Haftungsrisiken bei der Betreuung des ´Krisenmandanten´ bewusst sein….!

Leider hört der Autor immer wieder von den betroffenen KMU´s das einige Steuerberater mitteilen lassen, man sei ja keine ´Wirtschaftsberatung´ oder ähnliches. Somit muss man davon ausgehen, das diese Prognoserechnung nicht angefertigt wird.

Kein Wunder, aufgrund der Hinweise der Bundessteuerberaterkammer und des o.e. BGH-Urteils sind diese Reaktionen von vielen Kanzleien zu erwarten.

Allerdings muss man aber auch erkennen, dass die Steuerberater mit den ureigenen Aufgaben der Steuerberatung ausgelastet sind. Auch deren Umsatz in Zeit ist ein Argument, das man die `Schlagzahl´ der Abschlussarbeiten stabil hält und damit der Umsatzeingang der betroffenen Kanzlei gewährleistet ist.

Die Erstellung einer insolvenzrechtlichen Fortführungsprognose kostet Zeit und bindet Ressourcen. Somit hält sich der Steuerberater an folgende Spielregel;

…sprechen Umstände gegen die Fortführungsvermutung des § 252 Abs. 1 Nr. 2, so hat der Steuerberater die Pflicht, vom Unternehmen die Erstellung einer Fortführungsprognose einzufordern…!

Es ist nun jeden Unternehmer, ob GGF oder GF anzuraten, seine BWA und SUSA genau zu prüfen, ob die Gefahr besteht, mit dem Abschluss im Jahre 2020 in Schwierigkeiten zu geraten. Hier hilft auch eine anfängliche Prognoseberechnung!

Für die weitere Erstellung oder Unterstützung zur Erstellung der geforderten Forstbestehungsprognose stellt sich der Autor gerne zur Verfügung!

Bereiten Sie sich rechtzeitig vor!

 

Der Liquiditätsengpass durch COVID-19 ??!!

Der Corona-Virus und deren Auswirkungen, u.a. auf das betriebswirtschaftliche Überleben der KMU (Klein u. Mittelstand), ist aktuell in aller Munde. Hierbei meine ich anfänglich kleinere Kapitalgesellschaften wie GmbHs bzw. UGs!

Ich kann mir lebhaft vorstellen, dass es aktuell ein Run auf die Steuerberater der KMU-GFs bzw. GGFs geben dürfte, sich mit der betriebswirtschaftlichen Auswertung (BWA) und der Summen und Saldenliste (SUSA) zu versorgen.

Jede der betroffenen Unternehmung ist bemüht, die aktuellen Zahlen, Daten und Fakten für die Beantragung zusammen zu stellen. Diese Unterlagen bilden u.a. die Basis um die möglichen Liquiditätshilfen des Bundes oder Landes zu beantragen!

Es muss aber die Frage erlaubt sein, helfen diese Unterlagen in der vorliegenden Situation tatsächlich und welche Rückschlüsse lassen sich daraus ziehen?

Meine, sicherlich provozierende Antwort ist, diese Daten und Fakten lassen im Grunde nur wenig Rückschlüsse, aus der Vergangenheit abgeleitet, für die nahe Zukunft zu. Als Beispiel seien die Endbestände des abgelaufenen Monats aus der Summen und Saldenliste angeführt; viel mehr aber auch nicht!

Glücklich kann sich die betroffene GmbH schätzen, wenn diese sich kontinuierlich mit der kurz-, mittel- und langfristigen Finanzplanung beschäftigt hat, die auch dynamisch fortgeschrieben ist! Mit dieser Unterlage lassen sich betriebswirtschaftlich, übersichtliche Ableitungen in die nahe Zukunft vornehmen und auch diverse Szenarien darstellen!


Liquiditätsengpässe rechtzeitig erkennen und vermeiden!

Im Rahmen des Gesetzes zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich (KonTraG) und für das Interne Rating nach Basel II Standards (Kapitaldienstfähigkeit) spielt eine aussagefähige Liquiditätsplanung eine wichtige Rolle. Ebenso wird die Tendenz zunehmen, auch für kleinere Kapitalgesellschaften (z.B. GmbHs) eine sog. Kapitalflussrechnung zu verlangen.

Der Liquiditätsplan innerhalb der Finanzplanung zeigt Ihnen in Form eines simulierten Bankkontos die geplanten Einzahlungen (Cash in), die geplanten Auszahlungen (Cash out), die sich daraus ergebende Perioden-Überdeckung oder -Unterdeckung (Cash flow bei Überdeckung) sowie den geplanten Endbestand Bank unter Zurechnung der Perioden-Anfangsbestände. Der Liquiditätsplan berücksichtigt die erfassten Debitoren- und Kreditoren-Zahlungsziele und informiert Sie so über Ihren voraussichtlichen Liquiditätsstatus (Zahlungsfähigkeit) in verschiedenen Planungszeiträumen. Alle Einzahlungen und Auszahlungen erfolgen inklusive der festgelegten Umsatzsteuersätze.

Eine mittel- und langfristig negative Liquiditätsentwicklung hat erhebliche Auswirkungen auf den Fortbestand der Unternehmung (siehe KonTraG, Zahlungsunfähigkeit als Insolvenzgrund, bilanzielle Überschuldung).

Sie erkennen, wie ungleich wichtig diese Ausarbeitung für Ihre Unternehmung sein wird.

Sollten Sie nicht über eine dynamische aufgebaute Finanzplanung verfügen, so biete ich Ihrem Unternehmen meine Dienstleistung an, um eine entsprechende Finanzplanung aufzubauen. Informieren Sie sich unter dem folgendem Link über die von mir zur Verfügung gestellte Tätigkeit!

(https://thomas-teske.de/leistungen/controlling-kmu-mittelstand/)

Stellen Sie sich vor, Sie befinden sich in der Phase der Existenzgründung!

Nutzen Sie die Gunst der Stunde! Ihr Kreditberater der betroffenen Bank wird Ihrem Antrag sicherlich gerne folgen wollen, wenn die geforderten Unterlagen, auch mit der Aussage auf die nahe Zukunft ausgerichtet, beinhaltet.

Helfen wir jetzt gemeinsam Ihrem möglichen Geldgeber bei seiner Entscheidung für Ihre Unternehmung!

 

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Der Coronavirus ergreift das wirtschaftliche Umfeld mit weitreichenden unglücklichen Folgen.

Zukünftige Auswirkungen sind kaum absehbar. Gerade kleinere KMU´s sind enorm betroffen. Diese werden sich mit dem Kurzarbeitergeld auseinandersetzen müssen; mit den möglichen zurückgehenden Auftragsanfragen bzw. Stornierungen; die betrieblich veranlassten Aufwendungen lassen sich auch nicht so rasch vermindern und, und, und!

Das Schlimmste ist aber u.a. die mögliche drohende Liquiditätsfalle. Für welchen Zeitraum will man die Kapitalbedarfsplanung berechnen bzw. abschätzen? Welche möglichen staatlichen Hilfen könnte es geben? Wie wird Ihre Unternehmung unterstützt?

Viele GmbH´s sollten sich u.a. zeitnah mit dem § 18 Insolvenzordnung beschäftigen; dieser behandelt die drohenden Zahlungsunfähigkeit der GmbH!

Aktuell hält sich der Eindruck, das die Aussagen von Altmeier und Co  nur Schall und Rauch sind…! Warum? Ich habe einmal etwas recherchiert; im Rahmen meiner anfänglichen Recherche habe ich einige Links in meinem Block für die betroffenen KMU´s aufgebaut.

  1. Link-01: https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Dossier/coronavirus.html
  2. Link-02 : https://www.nrwbank.de/de/foerderlotse-produkte/NRWBANKUniversalkredit/15260/nrwbankproduktdetail.html
  3. Link-03 : https://www.nrwbank.de/de/foerderlotse-produkte/NRWBANKMittelstandskredit/15207/nrwbankproduktdetail.html

 

Wenn man sich den Link-02 anschaut, dann hat sich um Grund vor Corona nichts verändert. Diese Programme gab es auch schon vor Corona.

Dennoch sollte man sich mit den Programmen beschäftigen; hierbei hilft auch der Tilgungsrechner – https://www.nrwbank.de/de/foerderprodukte/hilfen-und-anwendungen/tilgungsrechner-ekn/index.html

Das ermittelte Ergebnis lässt recht rasch einen ersten Eindruck erkennen, ob der mögliche Fremdmittelanteil und der damit verbundene Kapitaldienst zu einer betroffenen Liquiditätsplanung passt! Ich würde anfänglich mit einem anf. geb. Sollzins von 3,5% p.a. rechnen!  Mögliche Bürgschaftsgebühren könnten hinzukommen!

Der GGF oder GF einer GmbH sollte sich mit den Überlegungen beeilen, da bei einer GmbH recht schnell die Insolvenzordnung greift. Die erste Sorge in einer Unternehmung gilt dem § 18 InsO (= drohende Zahlungsunfähigkeit)!

Ich will mit diesem Hinweis nicht erschrecken, ich hege aber die enorme Befürchtung, das viele Banken genau diesen § 18 InsO in die Diskussion bringen, wenn es um die Sicherheiten geht. Somit ist eine Liquiditätsplanung mit Bedacht anzugehen!

STEUERBERATERHAFTUNG: Bilanzierung nach Fortführungswerten bei bestehendem Insolvenzgrund; Prüfungspflichten des mit der Erstellung eines Jahresabschlusses für eine GmbH beauftragten Steuerberaters; Hinweispflichten auf einen möglichen Insolvenzgrund

Grundlage dieser Überschrift bildet das Urteil vom BGH v. 26.01.2017 – IX ZR 285/14 /Ergänzend zum BGH, Urteil vom 7. März 2013, IX ZR 64/12, WM 2013, 802 und BGH, Urteil vom 6. Juni 2013, IX ZR 204/12, WM 2013, 1323

Zitatanfang:…Der mit der Erstellung eines Jahresabschlusses für eine GmbH beauftragte Steuerberater ist verpflichtet zu prüfen, ob sich auf der Grundlage der ihm zur Verfügung stehenden Unterlagen und der ihm sonst bekannten Umstände tatsächliche oder rechtliche Gegebenheiten ergeben, die einer Fortführung der Unternehmenstätigkeit entgegenstehen können. Hingegen ist er nicht verpflichtet, von sich aus eine Fortführungsprognose zu erstellen und die hierfür erheblichen Tatsachen zu ermitteln… Zitatende!

Eine drohende Zahlungsfähigkeit (§18 InsO), oder eine Zahlungsunfähigkeit (§17 InsO) oder gar eine Zahlungsunfähigkeit in Kombination mit einer Überschuldung (§19 InsO) versehen, ist mehr als unangenehm. Hier gilt es, das der Geschäftsführer und Gesellschafter-Geschäftsführer folgendes immer wieder zu beachten hat; mit der Aufstellung eines Jahresabschlusses haben die gesetzlichen Vertreter nach §252 Abs.1 Nr.2 HGB einzuschätzen, ob die Bewertung weiterhin von der Fortführung der Unternehmenstätigkeit ausgegangen werden kann. Dies gilt gleichermaßen für pflichtgemäß wie freiwillig nach den Vorschriften des Handelsrechts aufgestellte Zwischen- und Konzernabschlüsse. Die Annahme der Unternehmensfortführung gilt hierbei als gesetzliche Regelvermutung.

Liegen hingegen Anzeichen für bestandsgefährdende Risiken vor, haben die gesetzlichen Vertreter eingehende Untersuchungen zur Unternehmensfortführung (Fortführungsprognose) anzustellen.

Von der handelsrechtlichen Fortführungsprognose ist die insolvenzrechtliche Fortbestehungsprognose nach § 19 Abs. 2 Satz 1 InsO zu unterscheiden.

Zusammenwirken von handelsrechtlicher Fortführungsprognose und insolvenzrechtlicher Fortbestehungsprognose!

Vor dem Hintergrund der Finanzmarktkrise wird derzeit auf europäischer Ebene über Maßnahmen zur Verbesserung der Abschlussprüfung diskutiert. Seitens der EU-Kommission wird dabei u.a. der Vorwurf erhoben, das Unternehmen kurze Zeit nachdem ihr Jahresabschluss und Lagebericht mit einem uneingeschränkten Bestätigungsvermerk bzw. ohne Hinweis auf bestandsgefährdende Risiken veröffentlicht wurde, Insolvenz anmelden mussten. Zugleich stellt die EU-Kommission fest, dass vor einer Abschlussprüfung nicht erwartet werden kann, dass sie Sicherheit über die künftige Lebensfähigkeit des geprüften Unternehmens oder die Effizienz oder Wirksamkeit, mit der das Leitungs- und Verwaltungsorgan dessen Geschäfte führt oder führen wird, vermittelt.

Nach Auffassung des IDW (Institut der Wirtschaftsprüfer in Deutschland e. V.) ist in diesem Zusammenhang in erster Linie die Rechnungslegung in Bezug auf zukunftsbezogene Aussagen und damit deren Frühwarnsystem zu verbessern. Das IDW hat dies u.a. zum Anlass genommen, die Zusammenhänge zwischen dem handelsrechtlichen Jahresabschluss und den Insolvenzantragsgründen nach §§ 17 ff. InsO. zu beleuchten.

Nach § 19InsO ist ein Insolvenzantrag zu stellen, wenn das Vermögen des Schuldners die bestehenden Verbindlichkeiten nicht mehr deckt, es sei denn, die Fortführung des Unternehmens ist nach den Umständen überwiegend wahrscheinlich.

Die gesetzlichen Vertreter haben in diesem Zusammenhang eine sog. insolvenzrechtliche Fortbestehungsprognose zu erstellen, um zu beurteilen, ob die Gesellschaft ihre Zahlungsverpflichtungen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit bedienen kann.

Im Vordergrund der nachfolgenden Überlegungen steht die Frage, in welchem Ausmaß das deutsche Insolvenzrecht die handelsrechtliche Fortführungsannahme ( § 252 Abs. 1 Nr.2 HGB ) beeinflusst, wonach bei der Bewertung der im Jahresabschluss ausgewiesenen Vermögensgegenstände und Schulden von der Fortführung der Unternehmenstätigkeit auszugehen ist, sofern dem nicht tatsächliche oder rechtliche Gegebenheiten entgegenstehen.

Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Abschlussprüfung eine Prüfung der Rechnungslegung darstellt, nicht aber eine abschließende rechtliche Würdigung, ob eine Insolvenzantragspflicht für die gesetzlichen Vertreter vorliegt. Diesem Positionspapier liegt der Überschuldungsbegriff des geltenden § 19 Abs. 2 InsO zugrunde.

Begriffe Grundlagen und Abgrenzung

Die Erstellung einer insolvenzrechtlichen Fortbestehungsprognose durch die gesetzlichen Vertreter ist spätestens dann geboten, wenn aufgrund konkreter Anhaltspunkte Anlass besteht, einzuschätzen, ob Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung vorliegt oder droht. Die rein liquiditätsorientierte Fortbestehungsprognose dient allein dem Zweck festzustellen, ob die Finanzpotentiale des Unternehmens im maßgeblichen Prognosezeitraum ausreichen, die jeweils fälligen Verbindlichkeiten zu bedienen.
Die insolvenzrechtliche Fortbestehungsprognose stellt mithin eine Zahlungsunfähigkeitsprognose in den von Gesetz und Rechtsprechung gezogenen Grenzen für die Beurteilung über das Vorliegen der Insolvenzgründe dar.
Die handelsrechtliche Fortführungsprognose und die im fortgeschrittenen Krisenstadien zu erstellende insolvenzrechtliche Fortbestehungsprognose haben unterschiedliche Zwecke und Ausgestaltungen. Beide basieren jedoch auf derselben Planung und sind daraus jeweils zweckorientiert abzuleiten.
Eine positive handelsrechtliche Fortführungsprognose setzt grundsätzlich voraus, dass im Prognosezeitraum die Insolvenzgründe Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung weder eingetreten sind noch Zahlungsunfähigkeit droht und auch andere rechtliche und tatsächliche Gegebenheiten der Annahme der Unternehmensfortführung in diesem Prognosezeitraum nicht entgegenstehen! (Vgl. IDW ES 6 n.F.; TZ 85)
Das Ergebnis der insolvenzrechtlichen Fortbestehungsprognose kann in einem fortgeschrittenen Krisenverlauf die handelsrechtliche Fortführungsprognose beeinflussen. Allerdings kann auch im eröffneten Insolvenzverfahren eine positive Fortführungsmaßnahme gerechtfertigt sein, wenn hinreichend begründete Aussichten bestehen, dass das Unternehmen bspw. Im Wege eines Insolvenzplanverfahrens (s. ESUG) saniert werden kann.

Grundlagen der handelsrechtlichen Fortführungsannahme

Die Regelvermutung nach § 252 Abs. 1 Nr.2 HGB greift immer dann, wenn das Unternehmen in der Vergangenheit nachhaltige Gewinne erzielt hat, es leicht auf finanzielle Mittel zurück greifen kann, keine bilanzielle Überschuldung droht und die Fortführung des Unternehmens beabsichtigt ist!

Anlässe für die Prognose der Unternehmensfortführung

Ergeben sich Anhaltspunkte, dass die Kriterien der Regelvermutung nicht länger vorliegen, haben die gesetzlichen Vertreter die Unternehmensplanung vor dem Hintergrund der identifizierten Umstände zu aktualisieren und ihren Auswirkungen auf die künftige Vermögens-,Finanz-und Ertragslage fortzuschreiben.

Bei der Planungserstellung müssen alle zum Beurteilungszeitpunkt verfügbaren Informationen zu den rechtlichen und tatsächlichen Gegebenheiten bedacht werden, die für die Fortführungsfähigkeit des Unternehmens bedeutsam sind. Je konkreter die Anhaltspunkte dafür sind, dass Ereignisse die wirtschaftliche Unternehmens-entwicklung nachteilig beeinflussen können, desto detaillierter muss die Unternehmensleitung die Auswirkungen auf die Unternehmensfortführung analysieren und beurteilen.

Im Ergebnis wird der geneigte, interessierte Leser rasch erkennen, wie wichtig für den kleineren Mittelstand das externe Controlling ist! Die mögliche Stabsstelle wird auf Zeit entlohnt. Somit entfallen permanent aufwendige Gehälter und die damit verbundenen Nebenkosten. Teilweise wird das anfallende Honorar vom Staat bezuschusst.
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Wie ein Controlling aussehen könnte und welche möglichen Ausgaben damit verbunden wären, wird in der nächsten Ausgabe beschrieben.

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